Die Scheu vor der Sprache verloren

Ein Schüleraustausch, wie er im Buche steht: Erst weilten 20 französische Schüler in der Rhön - dann ging es für die Gymnasiasten für eine Woche ins französische Grenoble.

Kaltensundheim/Grenoble - Gelebte Schulpartnerschaft: Seit acht Jahren unterhält das Rhön-Gymnasium in Kaltensundheim freundschaftliche Beziehungen zum College Chartreuse im französischen Saint-Martin-le-Vinoux, einem- Vorort von Grenoble. Jüngst war es wieder soweit: Für je eine Woche lernten französische und deutsche Schüler gegenseitig Sehenswürdigkeiten, Schul- und Lebensalltag im Land des jeweiligen Partners kennen.

Den Auftakt bildete die Ankunft der 20 französischen Schüler unter Leitung von Deutschlehrer Jérôme Claret und Evelyne Dessus als begleitende Lehrkraft in Kaltensundheim. Von Gastfamilien freundlich aufgenommen, stand das Wochenende im Zeichen individueller Ausflüge und dem Kennenlernen der Gastheimat.

Interessant fanden die jungen Franzosen unter anderem den ländlichen Charakter der Rhöngemeinden mit Haus, Hof und Garten für jede Familie - Grenoble dagegen ist eine Großstadt mit mehr als 160000 Einwohnern. Die Woche über ging es morgens gemeinsam für zwei Stunden zum Unterricht, im Anschluss standen Exkursionen auf dem Programm. So war die Viba-Nougatwelt in Schmalkalden auf jeden Fall einen Besuch wert, ebenso die Mahn- und Gedenkstätte Point Alpha bei Geisa.

Spaß machte auch ein Kegelnachmittag in Kaltensundheim. Natürlich durfte ein Abstecher auf die Wartburg nicht fehlen, ebenso wie eine Besichtigung des Meininger Theaters und des Schlosses. Der Abschied fiel nicht allzu schwer. Schließlich fuhren deutsche und französische Schüler gemeinsam mit Bettina Hitzke und Eva Pretscher als Lehrkräften nach Grenoble – damit begann, unterstützt vom deutsch-französischen Jugendwerk, Teil zwei des Schüleraustausches.

Nach zwölf Stunden Fahrt mit dem Rhönsegler-Bus leuchteten die Lichter der Stadt voraus. Auch die Gastfamilien warteten bereits, um ihre Schützlinge in Empfang zu nehmen. Auch hier blieb über das Wochenende Zeit für das persönliche Kennenlernen. Die zum Teil beengten Wohnverhältnisse in der Großstadt stellten Gäste und Gastgeber vor Herausforderungen, welche aber schnell gemeistert werden konnten. Dabei wurden die Kenntnisse beider Sprachen durchaus auf die Probe gestellt - aber genau dazu ist ja ein Schüleraustausch da.

Walnüsse und Ravioli

Vier Stunden täglich erlebten die Rhön-Gymnasiasten in der darauffolgenden Woche den Unterricht an einer französischen Schule. lm Anschluss standen auch hier abwechslungsreiche Unternehmungen auf dem Plan: Bei einer Stadtrallye mussten die Rhöner ohne Hilfe ihrer Freunde markante Punkte in Grenoble aufsuchen. Gute Orientierung war hier gefragt. Viel Spaß machte eine Flussfahrt im Naturschutzgebiet Isère, wo viel zu Fauna und Flora der Alpenregion erklärt wurde. Völlig neu war den Gymnasiasten eine Walnusstrockenanlage, die als Museum dient und wo gezeigt wird, was alles aus den Nüssen, für die Grenoble berühmt ist, hergestellt wurde und wird.

Ein geplanter Besuch eines Hochseil-Gartens musste wetterbedingt ausfallen, dafür gab es als Antwort auf den Kegelbahnbesuch einen Bowlingnachmittag. Dafür ging es an einem Nachmittag mittels Seilbahn zur Bastille genannten Festung aus dem 19. Jahrhundert, rund 250 Meter über Grenoble gelegen. Nicht neu, dennoch überaus interessant gestaltete sich der Besuch einer Ravioli-Fabrik. Natürlich konnten die Schüler die Nudeln selbst verkosten.

Kultur und Kunst durften im Programm nicht fehlen: Das Musée de Grenoble beherbergt nach den Museen in Paris und Lyon die drittgrößte Kunstsammlung Frankreichs.

Ein Schüleraustausch, der bleibende Erinnerungen hinterließ: Tränenreich gestaltete sich der Abschied und bei so manchem Teilnehmer soll dieser Besuch nicht der letzte bleiben. „Die Schüler haben die Scheu vor der Fremdsprache verloren, die Zeit genutzt, viel Spaß gehabt“, zieht Bettina Hitzke ein positives Resümee. Möglich ist ein dreimonatiger Austausch, bei dem Schüler intensiv Land, Leute und Sprache kennenlernen.

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Gruppenfoto in Pont-en Royans: 19 Schüler des Rhön-Gymnasiums Kaltensundheim verlebten eine spannende Woche mit Gleichaltrigen in Grenoble - die Franzosen waren zuvor in der Rhön zu Besuch.

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