Das Chaos im Kopf geordnet

Im Kulturhaus Kaltensundheim wurden am Wochenende 35 Abiturientinnen und Abiturienten des Thüringer Rhön-Gymnasiums feierlich verabschiedet.

Kaltensundheim 
Kein Abiturjahrgang gleicht dem anderen, kein Abschied ist wie der vorhergehende. So war es auch diesmal wieder, als im 21. Jahr des Bestehens des Thüringischen Rhön-Gymnasiums der 20. Abiturjahrgang am Samstagabend im Saal des Kulturhauses seine Zeugnisse erhielt.
Neben den sichtlich stolzen Eltern der Abiturienten konnte Schulleiter Ulrich Schramm zahlreiche Gäste begrüßen - darunter den neuen Landrat von Schmalkalden-Meiningen, Peter Heimrich, Uwe Möllerhenn vom Bildungsausschuss des Kreistages, Karl-Friedrich Abe von der Biosphärenreservatsverwaltung und Martin Köhler, den Vorsitzenden des Schulfördervereins.
Gespannt wurde die mit vielen Anekdoten und Zitaten gespickte Abschiedsrede, von Ulrich Schramm auf bekannte Art zelebriert, von Gästen wie Schulabgängern gleichermaßen aufgenommen. Mit einer (oder einem?) "Faust voller Zitate" reihte er Rückblick und Ausblick für einen Abiturjahrgang aneinander, der sich als Motto "Abi(s)tur - Der Klügere gibt nicht immer nach" gegeben hatte. Dieser wird als einer der zahlenmäßig nicht besonders starken Jahrgänge in die Annalen eingehen. Und auch für ihn galt: "Am Anfang war nicht die Tat, sondern erstmal alles neu, ungewohnt und verwirrend". Doch auch diese Zeit wurde bewältigt, wie bei Faust mit "heißem Bemüh'n". Freilich auch mit Geduld und Unterstützung der Lehrer und Eltern. 40 Schüler waren vor acht Jahren in Kaltensundheim angetreten, 24 von diesen erhielten jetzt das Abitur - sowie elf weitere, die im Laufe der Schuljahre als "Quereinsteiger" hinzugekommen waren.
Die Übergabe der Abschlusszeugnisse bildete einen weiteren Höhepunkt des Abends. Ausgezeichnet als Beste ihres Jahrganges wurden Kristin Kißner und Antonia Eller mit einem Notendurchschnitt von 1,1, Lukas Wachenbrunner mit Durchschnitt 1,3 sowie Sophia Herchenhahn mit einem Durchschnitt von 1,4. Doch nicht nur ihnen, auch den übrigen Absolventen war deutlich ihre Freude anzusehen, als ihnen auf der Bühne von Ulrich Schramm gemeinsam mit den beiden Klassenlehrerinnen Dorothe Bohnwagner und Angelika Burkhardt die ersehnten Mappen übergeben wurden. Ebenso wurden von den Fachkursleitern besondere Leistungen einzelner Schülerinnen und Schüler mit kleinen Geschenken anerkannt.
Landrat Peter Heimrich forderte in seinem Grußwort die nunmehr "Ehemaligen" dazu auf, "ruhig mal quer zu denken". Man genieße nun größere Freiheiten, aber müsse sich an die Spielregeln des Lebens halten. Uwe Möllerhenn stellte zutreffend fest, "was gestern noch falsch war, kann es morgen wieder sein" und hegte die Hoffnung, dass einige der Abiturienten aus der Rhön nach Studium und Ausbildung auch wieder in die Rhön zurückkehren mögen.Zum Motto "Abi(s)tur 2012" hatten natürlich auch die Hauptpersonen einiges zu sagen. Dies taten denn auch Kristin Kißner und Julius Hohmann. Ihre Interpretation der letzten acht Jahre sorgte für viel Heiterkeit im Saal und schien wohl durchaus zutreffend zu sein. Das Gleichnis der Schule als Bauernhof, auf den die "jungen Zicklein" kamen und dort als Herde von den Landwirten, nein Lehrern, betreut wurden, gefiel. Die Lehrer ließen wohl nichts unversucht, "das Chaos im gehörnten Kopf zu ordnen", hieß es, was ja letztendlich zum Erfolg führte. Ziegen seien Huftiere der besonderen Art, meinten die beiden. So seien in den acht Jahren aus den hilflosen Zicklein "Sturböcke und Meckerziegen" herangewachsen, die nunmehr ihr Stallzertifikat in den Hufen hielten. Solcherlei Ergebnisse blieben nicht unbelohnt: Das Lehrerkollegium des Rhön-Gymnasiums nahm Blumen als Dankeschön entgegen.
(Auszug: Meininger Tageblatt vom 10.07.2012)