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Abirede 2013

"WasABI 2013 - Der schärfste Jahrgang aller Zeiten"

Sehr geehrter Herr Schramm,
werte Ehrengäste,
liebe Lehrer,
liebe Familie, Freunde und Mitabiturienten!

Nach 12 Jahren Lernstress, Prüfungsangst sowie Punkte- und Notenjagd ist es nun vollbracht: Wir stehen hier und feiern unser Abitur! Endlich halten wir unsere Abschusszeugnisse in den Händen - Das bedeutet für uns Freiheit, Ungebundenheit und vor allem der Start in einen völlig neuen Lebensabschnitt. Jedoch erfordert es natürlich viel Mut nun auf eigenen Beinen zu stehen und eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen. Doch nicht zuletzt an unserem Abimotto kann man erkennen, dass es unserem Jahrgang auf keinen Fall an Selbstbewusstsein mangelt: "WasABI 2013 - Der schärfste Jahrgang aller Zeiten" - dieser Leitsatz spricht wohl für sich.

Aus Wasabi, auch japanischer Meerrettich genannt, wird ein Gewürz gezogen, welches Speisen die nötige Schärfe verleiht und das Geschmackserlebnis intensiver macht.

Doch trifft dies wirklich auf unseren Jahrgang zu? Haben wir dem Schulalltag wirklich Würze verliehen und ihn aufregender gestaltet?

Als 2005 56 zarte Wasabipflänzchen an Chefzüchter Herr Schramm geliefert wurden, waren diese zunächst noch sehr leicht bekömmlich.

Die meisten von ihnen schauten sich scheu und verschüchtert in den Gewächshallen des Rhöngymnasiums um und begaben sich dankend in die Hände von Herr Reuber und Frau Richter, die ihre Zöglinge freundlich in Empfang nahmen. Die beiden offenbarten einen grünen Daumen und machten uns mit unserer Umgebung und dem neuen Umfeld vertraut.

Aber schon zu diesem Zeitpunkt verstanden es einige besondere Exemplare der Neulinge vom ersten Tag an einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, welcher sich im Lehrerzimmer unter den Züchtern schnell herumsprach.

Damit offenbarte sich also schon sehr früh das Schärfepotential unserer Klasse, welches es die nächsten acht Jahre auszuschöpfen galt.

Dazu war es auch nötig, sich mit anderen Pflänzchen zu verbünden, um den Schulalltag erfolgreich zu meistern. Beäugten sich die Schüler anfangs noch eher misstrauisch, so wurden nach wenigen Tagen schnell Freundschaften geschlossen, jedoch eher seltenüber die Grenzen der eigenen Klasse hinaus. Dieser Umstand änderte sich allerdings schlagartig als in Klasse 7 das erste große Highlight auf dem Programm stand: Der Skikurs in Südtirol bot uns die Möglichkeit Bergluft zu schnuppern und uns endlich auch den Pflänzchen aus der Parallelklasse zu nähern.

Herr Ketzer hatte mitunter große Mühe, die mittlerweile pubertierenden Wasabis nachts in ihren eigenen Töpfen zu halten.

Die restlichen Distanzen zwischen den Klassen waren spätestens 2008 mit der Neuordnung der Schützlinge in drei Klassen aufgehoben. Dieses Vorhaben stieß an jenem Tag jedoch auf großes Unverständnis und rief vor allem bei der weiblichen Pflanzenschar ein Übermaß an Emotionen hervor, sodass die übliche Bewässerung von Seiten unserer Züchter überflüssig war.

Die erste Aufgabe der zusätzlich eingesetzten Klassenleiterin Frau Dübener bestand also hauptsächlich darin, Tränen zu trocknen und Trost zu spenden.

Doch im Nachhinein ist es wohl vor allem diesem Umstand geschuldet, dass ein ungewöhnlich starker Zusammenhalt im Jahrgang bis heute besteht.

Um den neu gemischten Wasabis die Möglichkeit zu geben, auch über den Topfrand hinauszublicken, wurden des Öfteren sogenannte "Bildungsfahrten" unternommen, welche den Intellekt allerdings wohl nur bei den wenigsten Pflänzchen erhöhten. Denn natürlich standen Vergnügen und Unterhaltung im Vordergrund, woraus nicht selten schlaflose Nächte für die Züchter resultierten.

So kam es, dass sie ihrem Hauptberuf Lehrer nur zweitrangig nachkamen, und eher als Nachtwächter und Supernanny agierten. So zum Beispiel als aus bis heute ungeklärter Ursache zwei arme Wasabis auf Klassenfahrt in Dresden nachts von einer Feuerleiter gerettet werden mussten.

Gleich zu Beginn der 10. Klasse ging es für die die naturwissenschaftlich begabten Schüler nach München - eine gelungene Entschädigung für langwieriges Aufbauen von mehreren Kilometern Krötenzaun mit Herr Baumann.

Die sprachlich versierteren Pflänzchen hingegen konnten sich in Straßburg von der Qualität des französischen Käses überzeugen und ihre mühsam erworbenen Vokabelkenntnisse perfektionieren.

Einige Zöglinge gediehen auf französischem Boden so gut, dass sie mit Frau Bohnwagner außerdem eine Woche lang in Gastgewächshäusern in Grenoble verkehrten.

Nachdem unser Jahrgang, nun kulturell bewandert, einiges an Schärfe gewonnen hatte und keineswegs mehr leicht bekömmlich war, standen die Prüfungen zur mittleren Reife an, welche generell sehr erfolgreich verlief, aber uns mehrere Kameraden kostete:

Einige meinten schon vollends ausgereift zu sein, und verließen uns zusammen mit jenen Exemplaren, welche entschieden, ihre Blf - die besondere Leistungsfeststellung - lieber unter anderen Bedingungen zu wiederholen.

Allerdings wurden neue Züchtungen angeliefert, welche sich uns anschließen wollten. Die Klasse wurde also völlig neu aufgemischt, getreu dem Sprichwort: "Neu Gewürz macht alte Speisen frisch" und die Oberstufe war nun endlich erreicht, was allerdings auch zahlreiche Neuerungen mit sich brachte: Die Punktejagd begann, Fächer, die nicht würzig genug erschienen wurden abgewählt und es erfolgte ein erneutes Umtopfen in 2 Stammkurse unter der Leitung von Frau Bauer und Frau Dübener.

Die nun fast ausgewachsenen Wasabis konnten ihre Organisationsfähigkeiten bei der Planung des Schulfaschings unter Beweis stellen. Spätestens seit diesem Event hob unser Jahrgang die Begriffe "Demokratie" und "Wahlberechtigung" in völlig neue Sphären: Fortan wurde über jeden noch so unbedeutende Kleinigkeit im Klassenverbund intensiv diskutiert und darüber abgestimmt, jedoch oft ohne zufriedenstellendes Ergebnis.

Diese äußerst zeitaufwändige Prozedur wiederholte sich nahezu vollständig bei der Vorbereitung der traditionellen Oldieparty - trotzdem waren beide Veranstaltungen ein großer Erfolg und schweißten unseren Jahrgang im Nachhinein noch enger zusammen.

Da es in der Oberstufe keine lästigen Vertretungsstunden mehr gab, welche die Schüler sowieso nur selten im Unterrichtsstoff voranbrachten, gab es fortan nicht wenige Freistunden - getarnt als "Stillbeschäftigung".

Diese uferten oft in Kaffeeorgien und lautstarke MauMauduelle aus.

An dieser Stelle möchten wir die Betreiber des Kaffeeautomatens in unserem Schulhaus bitten, zu kalkulieren, ob die Instandhaltung des Gerätes nach Abtreten der Hauptabnehmer aus unserem Jahrgang überhaupt noch Sinn macht!

Andere Wasabipflänzchen nutzten diese Freizeit intensiv, um ihrer Onlinespielsucht nachzugehen oder sich in der sogenannten "Bonzenecke" im Erdgeschoss zu verwurzeln.

Nachdem die 11. Klasse von allen Schülern erfolgreich gemeistert wurde, stand das letzte große Highlight unter Züchteraufsicht an: Die Sprachreise nach London zusammen mit dem harmonischen Duo Frau Bellstedt und Frau Mahlstedt. Doch die Orientierung in der großen Metropole erwies sich für einzelne Dorfgewächse des Jahrgangs als ernstes Problem - sie waren teilweise mit dem Lesen eines Stadtplanes völlig überfordert und brachten unseren knurrigen Busfahrer nicht geringfügig in Zeitnot.

Rückblickend war unsere Zeit am Rhöngymnasium hier in Kaltensundheim unvergesslich und hat uns erfolgreich auf unsere Zukunft vorbereitet - diese Jahre sind gegen nichts in der Welt einzutauschen -aus leicht bekömmlichen Wasabipflänzchen wurde der schärfste Jahrgang aller Zeiten, welcher nun getrost in die große weite Welt entlassen werden kann. Wir haben gelernt Verantwortung zu übernehmen, uns vor anderen zu behaupten und ehrgeizig unsere Ziele zu verfolgen.

Nicht zuletzt hatten wir eine Menge Spaß und werden mit Freude auf unsere Schulzeit zurückblicken können, welche uns neben einmaligen Erfahrungen auch viele Freundschaften bescherte. Noch vor wenigen Wochen hätten es wohl einige Exemplare unserer Züchtung nicht für möglich gehalten, dass sie das Verlassen der Schule derart bedauern und bei den letzten Klängen des Abiliedes an unserem letzten Schultag in Tränen ausbrechen würden.

Aber auch der schärfste Jahrgang aller Zeiten tut sich nun mal mit dem Abschiednehmen schwer.

Unser Schärfepotential wurde hier in acht Jahren sogar so weit ausgeschöpft, dass sogar der Chefzüchter Herr Schramm nun erstmal Ruhe braucht und mit uns abtreten wird. Wir danken ihm für seine außergewöhnlichen Verdienste als Schulleiter- wie er um die Erhaltung unserer Gewächshallen kämpfte und nun eine, für die Zukunft gewappnete, Institution übergeben kann. Das verdient großen Respekt und der Ruhestand sei ihm von ganzem Herzen gegönnt, auch wenn wir vermuten, dass er der Begriff "Rentner" nicht ganz auf unseren außerordentlich engagierten und aktiven Oberzüchter zutreffen will.

Natürlich danken wir auch Frau Greis, welche uns stets geduldig mit Rat und Tat zur Seite stand, wenn es um Entschuldigungszettel, Busausweise oder andere Formalitäten ging und ein unersetzlicher (Baustein?) an unserem Rhöngymnasium ist.

Desweiteren danken wir selbstverständlich auch dem gesamten Ordnungspersonal der Schule, welches unser Gewächshaus immer mehr als zufriedenstellend instand hielt.

Doch auch allen anderen Wegbegleitern sind wir zu großen Dank verpflichtet, denn so ganz ohne Hilfe hätte es wohl auch das schärfste Pflänzchen nicht bis auf diese Bühne geschafft.

Vor allem in den letzten anstrengenden Prüfungsmonaten konnten wir immer auf unsere Familien und Freunde zählen und auch während der gesamten Schulzeit auf ihre Unterstützung bauen. Vielen Dank dafür!

Aber was wären die Pflänzchen ohne ihre talentierten Züchter? Alle Lehrer bewiesen während der Zeit mit uns einen außerordentlich grünen Daumen und verdienen deshalb unseren herzlichen Dank!