Naturwissenschaftlicher Unterricht

nu1Seit dem Schuljahr 1996/97 führen wir an unserem Gymnasium den fächerüber- greifenden Naturwissenschaftlichen Unterricht (NU) in der Klassenstufe 9 durch. Bei unseren Überlegungen zur Einführung dieser neuen Unterrichtsform ließen wir uns davon leiten, dass die Schule die Schülerinnen und Schüler nicht nur mit enzyklopädischen Wissens- beständen, sondern auch mit Orientierungs- und Lernfähigkeit ausstatten muss. So sollten die Jugendlichen auf eine Mitwirkung an gemeinsamen Aufgaben in Schule, Beruf und Gesellschaft vorbereitet und in diesem Sinne handlungsfähig gemacht werden.

Zielstellungen:
1. fächerübergreifendes Arbeiten im natur- wissenschaftlichen Bereich zum Erwerb wichtiger Kompetenzennu2
2. praxisnaher Unterricht mit einem hohen Anteil an selbständiger Schülerarbeit
3. Arbeiten im Team, um miteinander zu lernen, zu arbeiten und zu leben, Verant- wortung wahrzunehmen und solidarisch zu handeln
4. Präsentationsfähigkeiten schulen, um Emotionen, eigene Stärken und Schwächen zu erkennen und einzuschätzen
5. optimale Vorbereitung auf das Kurssystem, insbesondere auf das Anfertigen von Fach- arbeiten

Organisation:nu3
Alle Schüler der damaligen 8. Klassen am Thüringischen Rhön–Gymnasium Kaltensundheim begeisterten sich für unsere Ideen und äußerten die Absicht, den natur- wissenschaftlichen Zweig ab der Klasse 9 zu belegen.

In Anlehnung an die gültige Stundentafel entschieden wir uns für die folgende Organisation im Wahlpflichtbereich mathe- matisch-naturwissenschaftlicher Zweig:
5 Unterrichtsstunden aufgeteilt in 3 Stunden projektorientierter Naturwissenschaftlicher Unterricht zum Thema Wasser, 1 Unter- richtsstunde Mathematik (insg. 4 Std.) und 1 Unterrichtsstunde Chemie in der Klasse 9, bzw. Astronomie in der Klasse 10.  Der projektorientierte Unterricht der Klassen 9 wird von 3 Lehrern begleitet und enthält Unterrichtsthemen aus folgenden Bereichen: Biologie, Chemie, Physik, Informatik und Geografie.


Erläuterungen zu den Zielen des Naturwissenschaftlichen Unterrichts

Zu 1.)
Die Lehrpläne in allen Naturwissenschaften und im Fach Geografie wurden gesichtet und alle Themen zum Bereich "Wasser" gesammelt. Aus dieser Sammlung erarbeiteten wir einen Stoffverteilungsplan für die Klasse 9 im Naturwissenschaftlichen Unterricht. Durch Absprachen mit allen Fachlehrern, die ebenfalls in den Klassen 9 unterrichten, wurde sichergestellt, dass die festgelegten Themen zur Problematik "Wasser" nicht mehrfach behandelt werden, sondern nur in diesen 3 Wochenstunden des projektorientierten Unterrichts. Die dadurch gewonnenen zeitlichen Freiräume ließen sich somit für andere Unterrichtsformen nutzen.

Zu 2.)
Zahlreiche Exkursionen, Projektarbeiten und Schülerexperimente werden in den Unterricht eingebunden.
1. Biologische und chemische Untersuchung heimischer Gewässer im Herbst und im Frühjahr
2. Exkursion in das Umweltlabor nach Meiningen
3. Exkursion in das hiesige Klärwerk
4. Umwelttag: Schüler helfen mit bei der Reinhaltung der Gewässer und des Schulumfeldes
5. Anlegen und Pflege von Schulbiotopen
6. Schülerexperimente zu den verschiedenen Stoffgebieten
7. Bau und Betreuung des Amphibienzaunes

Zu den verschiedenen Exkursionen werden Schüleraufträge verteilt, ausgewertet und bewertet. Die Auswertung erfolgt durch die Schüler mit Hilfe verschiedener Computerprogramme (Erstellen von Tabellen, Diagrammen usw.) Durch zahlreiche Schülerexperimente und die entsprechende Auswertung werden die Schüler ebenfalls zur Selbständigkeit und zur praktischen Tätigkeit angeregt.

Zu 3.)
Alle Schüler der Klassenstufe 9 werden zu Beginn des Schuljahres in Gruppen von 3- 4 Schüler eingeteilt. Jede Gruppe bekommt im September einen langfristigen Auftrag zum Thema Wasser. So werden die Schüler gezwungen, langfristig zu planen, selbst zu recherchieren, sich in Presse, Funk und Fernsehen, bei verschiedenen Behörden, Betrieben, Bürgermeistern usw. zu informieren und selbständig zu protokollieren. Experimente und Untersuchungen im Labor des Gymnasiums gehören ebenfalls zum Aufgabengebiet der Schüler. Die zusammengetragenen Fakten und Ergebnisse müssen aus Schülersicht ausgewertet und in verständlicher Form niedergeschrieben werden. Diese Projektarbeiten werden von den Schülern Ende März (Arbeitszeit ca. 6 Monate) abgegeben und von einer Lehrerkommission bewertet. Die Belegarbeiten der einzelnen Schülergruppen werden dem Biosphärenreservat "Rhön", dem Landschaftspflegeverband "Rhön", den Heimatgemeinden und interessierten Bürgern zur Verfügung gestellt. Außerdem werden Teile der Projektarbeiten in der hiesigen Presse veröffentlicht.

Zu 4.)
Nach der Bewertung der Belegarbeiten stellt jede Schülergruppe ihre Arbeit im Klassenverband vor und beantwortet Fragen der Schüler und Lehrer zum Inhalt. Dabei wird deutlich, ob die Schüler ihr erworbenes Wissen in Handlungszusammenhängen anwenden, Wissen verknüpfen und sachbezogen urteilen können. 3 Schülergruppen verteidigen ihre Projektarbeiten öffentlich. Anwesend sind alle Schüler der Klassenstufe 9, zahlreiche Lehrer, interessierte Gäste und Pressevertreter von Tageszeitungen.

Die von uns im Zusammenhang mit dem Naturwissenschaftlichen Unterricht ausgearbeiteten Ziele, Inhalte und Methoden fanden später auch ihre Bestätigung mit der Einführung der neuen Lehrpläne in Thüringen (siehe Kompetenzmodell). Ab dem Schuljahr 2000/2001 müssen alle Thüringer Gymnasiasten das Seminarfach belegen. Die geforderten Belegarbeiten im Rahmen des Naturwissenschaftlichen Unterrichtes in der Klasse 9 verfolgen ähnliche Ziele und sind eine gute Vorbereitung für das Anfertigen der Seminarfacharbeit.

Zusammenfassung
Das "Fach" Naturwissenschaftlicher Unterricht wird am Thüringischen Rhön-Gymnasium Kaltensundheim seit nunmehr 9 Schuljahren unterrichtet. Abschließend können wir resümieren, dass diese Art des Unterrichts und der Wissensvermittlung sich bewährt.
In der Klassenstufe 10 wird dieser Unterricht aufgrund der guten Erfahrungen seit dem Schuljahr 1997/98 in ähnlicher Art und Weise zum Thema "Energie" fortgeführt.
Seit dem Schuljahr 1999/2000 bieten wir unseren Schülern der Klassenstufen 9 und 10 auch einen projektorientierten Unterricht auf dem Gebiet "Europa/Sprachen" an. Dieser Unterricht verfolgt ähnliche Ziele (fächerübergreifend, praxisnah, projektorientiert, Förderung der Teamfähigkeit) wie der Naturwissenschaftliche Unterricht. Unterschiede liegen in den behandelten Themen und in der Unterrichtssprache.
Ab dem Schuljahr 2003/04 wird in Thüringen an allen Schulen im Wahlpflichtbereich eine mathematisch- naturwissenschaftliche Ausbildung in der Klassenstufe 9 und 10 angeboten.